Dienstag, 14. Juli 2020

Das Corona-Zeitalter

Ein neues Virus fordert die Welt heraus

Sportferien

Wie war das nochmal? Wir gingen alle noch fröhlich in die Skiferien 2020. Sogar mit unseren deutschen Freunden trafen wir uns im Tessin am 21. Februar 2020. Wir umarmten uns und auch die anderen Freunde, welche wir auf dem Campingplatz antrafen. In den Sanitärgebäuden stand nicht nur für die Toiletten, sondern auch für die Hände Desinfektionsmittel zur Verfügung. Wie immer in den Wintermonaten.
Ja, wir hörten, dass nicht nur in China, sondern auch in Italien ein neues Virus wütet.

Fasnacht und danach

Noch während der zweiten Ferienwoche, direkt vor Fasnacht bei uns, wurde mitgeteilt, dass die Fastnachtsumzüge nicht stattfinden würden. Man würde sie zu gegebener Zeit nachholen. Das Virus verbreitete sich schneller, als erwartet. Versammlungen von mehr als 1000 (tausend) Menschen wurden Schweiz-weit verboten. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfchen-Infektion. Also wieder wie bei Sars und Vogelgrippe: Häufiges Händewaschen, sich keine Hand geben, in den Ellenbogen niesen und husten. Nur Papiertücher benutzen und Taschentücher in geschlossenen Eimern entsorgen. Hoffentlich verfügen diese über Pedalen, sonst hebt man jeweils mit der beschneuzten Hand den Deckel hoch, um das beschneuzte Taschentuch zu entsorgen. Zuhause bleiben bei Fieber, Husten, Halsweh.

Gerade noch geschafft: Zahnarzt

Mit meinem Kieferproblem, das sich als Zahnwurzel-Entzündung entpuppte, hatte ich noch Glück. Sofort am selben Tag, zwei Tage vor dem Lock-down, erhielt ich einen Termin. Wir vereinbarten auch einen Folgetermin, um das Provisorium in etwas Dauerhaftes umzuarbeiten, der dann aber Corona-bedingt abgesagt werden muss.

Schön, die Kinder hielten sich an die Massnahmen. Die Erwachsenen weniger. Im Lehrerzimmer musste man sich outen, um sich daran zu halten, sich nicht per Handschlag oder Umarmung zu begrüssen. Auch an Elterngesprächen setzte man sich über diese Massregel hinweg. Zum Glück ist nichts passiert.

(Schul)-Veranstaltungen

Eine Veranstaltung nach der anderen wurde abgesagt, weil inzwischen auch Versammlungen mit mehr als 100 Menschen verboten waren. Die Grenzen zum Tessin wurden geschlossen. Keine Elternabende mehr, keine Klassen-übergreifenden Veranstaltungen, wie Schwimm-Wettstreite mehr. Zuerst hiess es, keine Zuschauer, danach, kein Durchführen. Für Vitamin A, ein wichtiges Projekt für die dritten Klassen, um ihre Eigenständigkeit zu fördern, wurde der Informationsabend abgesagt.

Freitag, der 13. (März) 2020: Lock-down nicht nur für die Schweiz

Dann kam der Freitag. Intuitiv packte ich ausnahmsweise meinen Schul-Laptop ein, um übers Wochenende für die Schule zu arbeiten, was ich auf dem Heimweg der Schulleiterin erklärte.

An diesem Freitag-Nachmittag, zwei Wochen nach Schulstart mit den nötigen Hygienemassnahmen, gab der Bundesrat eine Pressekonferenz. Das Resultat waren folgende Massregeln:

  • Keine Versammlungen mehr gestattet.
  • Alle Geschäfte würden ab Montag geschlossen: Restaurants, Coiffeurs, Physiotherapien..., nur noch System-relevante Läden wie Banken, Lebensmittelläden und Apotheken dürfen öffnen. Mit strengen Massregeln: Abstand halten, desinfizieren, nur eine bestimmte Anzahl Menschen pro Laden, getrennter Ein- und Ausgang.
  • Schulen sind geschlossen. Fernunterricht wird ab Mitte Woche für vier Wochen stattfinden. 
  • Höchstens zu fünft darf man sich in der Öffentlichkeit treffen, sofern der Abstand von 2 Metern eingehalten wird.
  • Die SBB fährt den Fahrplan auf die Hälfte herunter, keine Züge mehr ins Ausland, während Bergbahnen und Schifffahrtsgesellschaften nur noch System-relevante Fahrten durchführen dürfen.
  • Home-Office, statt Arbeit im Büro. 
  • Baustellen zu, weil die Abstände nicht eingehalten werden können.
  • Über 65-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen müssen zuhause bleiben. Enkel darf man nicht mehr sehen oder gar hüten.
  • Bitte bleiben Sie zuhause! Machen Sie nur absolut nötige Fahrten, um nicht durchs Unfallrisiko die Spitäler zu überlasten, welche jetzt für Corona-Patienten aufrüsten.
  • Flüge gibt es noch, um Schweizer Reisende heimzuholen. Ansonsten wird alles storniert. (Nicht nur) die Swiss bleibt am Boden.
  • Firmen, die noch arbeiten dürfen, entwickeln Systeme, wie sich die Arbeitnehmenden aus dem Weg gehen können.
Katastrophe! 

Aber die Menschen halten sich grossenteils daran. Eine unglaubliche Solidaritätswelle überrollt die Schweiz. Geld, Unterstützung, Ideen fürs Aushalten dieser Situation machen die Runde.

Ab sofort muss die Familie sich einen PC teilen. Mama und Papa am Home-Office, die Kinder sind reihum fürs Fernlernen auf den Computer angewiesen.

Kinder dürfen in voraus festgelegten Gruppen an einem letzten Vormittag in die Schule, um alles Schulmaterial abzuholen. Arbeitsblätter werden ihnen per Post zugestellt. Die läuft auf Hochtouren. 

6 Schulwochen und zwei Ferienwochen darin dauert das Ganze, bis sich einige Erleichterungen andienen. Man darf wieder zum Coiffeur. Die Restaurants öffnen wieder mit der verlangten Distanz. Mehr Einkaufsläden dürfen öffnen. Teils bereits nach insgesamt 7 Wochen seit dem Lock-down. 

Home-Office und Fernlernen

Das Fernlernen etabliert sich, auch die Kontrolle darüber, sodass nicht mehr so viele ungeleistete Arbeit zu vermelden ist. 

Doch man ist sich uneins, ob die kommenden Lockerungen gut tun und hilfreich sind.

System-relevant ist das neue Wort, um anzuzeigen, welche Berufsgruppen und Industrien fürs gemeinsame Leben echt wichtig sind, während besonders diese Berufe systematisch unterbezahlt werden. Das Militär muss einspringen mit Mannkraft und Material, weil zuwenig von diesen System-relevanten Menschen und Materialien innerhalb vom Land vorhanden sind. Hoffentlich bezahlt man nach der Krise Verkäufer*innen, Postbot*innen, Krankenpfleger*innen, Bus-Chauffeur*innen, ... besser. Hoffentlich holt man die für eine Katastrophen-Situation nötigen Industrien wieder ins Land. 

In der ersten Zeit durften Lehrpersonen, welche fast das nötige Alter von 65 haben und mit jemandem zusammenleben, der eine Vorerkrankung hat, zuhause bleiben. 

Schule in Halbklassen nach Alphabet sortiert

Doch vom 11. Mai an ist diese Rücksicht in der Schule nicht mehr gegeben. Man müsse anders dafür sorgen, dass keine Ansteckung nach Hause komme. Aber Arbeits- und Anwesenheits-Pflicht in der Schule bestehe ab jetzt. 

Das Fernlernen nach den Frühlingsferien bis zum 11. Mai klappt ganz ordentlich. Die Kinder sind jetzt verpflichtet, ihre Arbeiten täglich abzugeben, statt sie, wie vor den Ferien, einfach zu sammeln. Das verlockte einige dazu, nichts oder zu wenig zu tun. Nicht überwacht zu sein, verlockt zur (Nach-) Lässigkeit, Faulheit, man lässt die Sachen schlittern. 

Viele Kinder halten den Kontakt aufrecht, lesen ihre E-Mails und geben Rückmeldungen. Jedes Mittelstufenkind hat seinen eigenen Laptop zuhause, es gibt also keine Ausrede. Dennoch ist da mindestens die Hälfte, welche nicht reagiert auf Anfragen oder Aufforderungen. Einige nehmen sogar das Telefon nicht ab. Da ist dann gar nichts mehr zu machen. Andere aber sind extrem pflichtbewusst, wollen alles recht machen und auch rechtzeitig, arbeiten lieber zu viel als zuwenig, haben Freude am virtuellen Kontakt, posten immer wieder Beweise ihrer Aktivitäten, antworten, geben Rückmeldungen, melden sich sogar von sich aus. 
Besonders leistungsstarken Kindern tut diese Art von Unterricht im Moment gut. Sie dürfen leisten, ohne dauernd im Visier ihrer Kamerad*innen zu stehen. Keiner bezeichnet sie als Streber oder könnte das tun, denn die Kinder sehen ja die Leistungen ihrer Mitschüler*innen nicht eins zu eins.

Die Kontrolle aber bewährt sich. So sind viel mehr Kinder aktiv und arbeiten pflichtgetreu oder sogar mit Begeisterung an den Lernmaterialien. 

Könnte man davon etwas mitnehmen, in die Nach-Corona-Zeit?
In der Teilpräsenz ist Fernlernen gemischt mit Präsenzunterricht. bei uns nach dem Alphabet, sodass die Eltern ihre Kinder gleichzeitig entweder am Vormittag oder am Nachmittag zur Schule schicken können. Nachnamen A-K kommen drei Lektionen vormittags, L-Z ebenfalls drei nachmittags. Die Pausen sind unter Aufsicht der Klassenlehrperson und klar geregelt draussen zu verbringen. Kein Sport, keine Berührungsspiele wie Fangen, kein Teilen von Pausenbrot. Mittwoch frei mit Fernlernen. Vier Wochen läuft das so, bevor wieder in ganzen Klassen unterrichtet wird.

Wieder Ganz-Klassen-Unterricht

Ab 8. Juni wird fast alles gelockert. Die Distanz und Hygiene-Massregeln gelten weiterhin. Doch die Schulkinder, welche sich wieder in der ganzen Klasse treffen, überfallen einander mit Körperkontakt und nehmen sofort auch das ganze Schulzimmer in Beschlag. Sie bleiben im Schulhaus nach dem Unterricht, kommen früher und sind absolut überstellig. War sie etwas vorschnell, diese neue Erleichterung ohne genaue Instruktionen durch die Lehrpersonen?

Doch auch dies beruhigt sich wieder, weil die Klassen eine neue Normalität er-leben.

Mundschutz im ÖV auch für Jugendliche ab 12

In der letzten Woche vor den Sommerferien wird die Maskenpflicht in den ÖV ausgerufen und auch für Kinder ab 12 Jahren verpflichtend. Einige geniessen dies sehr und zeigen sich mit kreativ gestalteten Mundkäppchen.

Reminiszenzen an die letzten Gesundheitsmassregeln in der Schule

Beim Kisten-Packen mit Schulmaterial für den Nachfolger fällt der Autorin ein Stück Seife in die Hände. Seife? Nur noch Flüssigseife ist in den Räumen vorhanden. Ach ja, damals, vor rund 12 Jahren, wegen Vogelgrippe, wurden alle Schulräume mit Flüssigseife und Papiertüchern ausgestattet. Schnell rettete die Schreiberin das Seifenstück, denn es sollte weiterhin seine Dienste tun. ??? - Klar, um Schrauben zu fetten, damit das Material beim Eindrehen derselben nicht reisst. Inzwischen nehme ich dafür aber Kerzenreste, womit dieses Stück Seife Geschichte ist. Und hoffentlich bald auch Corona. 

Donnerstag, 9. Juli 2020

Die Pensionierung

Letzte Schulzeit 🏤 gleich Coronazeit 🏥📈💉

Nach 43 Jahren Schuldienst war in den Sportferien und beim Sprechen mit unseren deutschen Freunden im Tessin klar, dass dies meine letzten Sportferien sein würden und wir im Frühling zu meinen letzten Ferien überhaupt nach Holland auf die BonBini fahren würden, um zu segeln.
Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt!

Die letzten Ferien gibt's auf Balkonien und Sofanien. Corona zwingt die Welt zum Lock-Down. Bleibt zuhause, wenn ihr nicht unbedingt raus müsst. 


Es folgen vier Wochen Fernunterricht bis Ostern, denn der Bundesrat schliesst am 13. März 2020 auch die Volksschulen bis mindestens zum 11. Mai. Vorher waren nur die höheren Schulen zu, weil hier die Ansteckungsgefahr am grössten war. So ist der Freitag mit dem ausnahmsweise heimgenommenen Laptop ein glücklicher Freitag, der 13. Denn sonst hätte ich noch einmal zur Schule gehen müssen.

Fernlernen mit den zur Verfügung stehenden Apps macht die Aktionen leicht. 


Es ist toll, dank der von der Schule auf Zeit erhaltenen Laptops für die IF-Schüler*innen der Mittelstufe Aufträge bereitzustellen und dort auch gleich zu sehen, wer was schon gemacht hat, respektive, wo jemand noch gemahnt werden muss. Einige nehmen die Unterstützung dankend an, andere wollen um jeden Preis alles selber bearbeiten können, weswegen sie lieber keinen Hilfe-Bedarf anmelden. Nicht einmal per Telefon. 
Einer aber ergreift die Chance und löst mittels Face-Time alle Fernlern-Aufträge in Rekordzeit mit seiner Schulischen Heilpädagogin. Es entwickelt sich eine tolle Zusammenarbeit, bei der der Junge total motiviert ist und unglaubliche Freude zeigt, wenn er alles geschafft hat und nirgends in Verzug gerät. Er ist äusserst gut vorbereitet für die Face-Time-Tutorials, sodass wir stets flüssig vorwärts kommen. Eigentlich versteht er die Aufgaben und Aufträge von selbst sehr gut und braucht vor allem jemanden ausserhalb der Familie, der ihm bestätigt, dass seine Arbeit gut ist und er es recht macht. Er arbeitet nämlich sehr konsequent und absolut sorgfältig mit deutlicher Schrift.

Nun kommt wirklich mein letztes Vierteljahr in der Schule vor der mit 64 Jahren vielleicht tatsächlich verdienten Pensionierung. Noch einmal mit voller Kraft voraus! Stellt man sich vor. Wünscht man sich. Erhofft man.

Statt dessen: Noch einmal folgen 2 Wochen Fernunterricht auf die Frühlingsferien, welche keine sind. Anschliessend vier Wochen im Halbklassenmodus. Eine Hälfte kommt an vier Tagen vormittags von 9-12 Uhr, die andere Nachmittags von halb zwei bis vier Uhr. Der Mittwoch ist für alle frei mit Fernlernen, wie oben beschrieben.
Die grosse Pause wird so durchgeführt, dass wenige Klassen gleichzeitig draussen sind, die von ihrer Klassenlehrer*in betreut werden.

Die Schulische Heilpädagogin gibt Schule mit Plexiglas-Schalter, Mundschutz und selbst erworbenem Visier. Grüppchen und Gruppen kommen zu ihr in den Unterricht. Sie reinigt nach jedem Gruppenwechsel alle Oberflächen. Material wird unter den Kindern nicht ausgetauscht. 


Der Beamer leistet hervorragende Dienste, denn hier kann eins zu eins gezeigt werden, wie für ein Thema gearbeitet werden muss. Auch die Fernlernplattform LearningView ist nicht mehr zu missen. Es ist grossartig, wie die Kids damit selbständig arbeiten, die Arbeiten online abgeben und das Erledigen bestätigen können mit ihrem Schullaptop - jedenfalls die Mittelstufe. Es gibt auf diese Weise viel weniger Papierverbrauch. 
Dennoch müssen viele Familien die Unterlagen von der Klassenlehrer*in per Post oder Kurier erhalten, weil sie keinen PC oder Drucker haben. 
Vom 8. Juni an ist wieder Schule im Ganzklassenmodus. Zu mir kommen Grüppchen, um ihren Lernstoff zu vertiefen oder überhaupt zu verstehen. Einige sind wahnsinnig fleissig auf der Lernplattform, andere tun so, als ob sie die Unterlagen nicht finden oder nicht gewusst hätten, dass sie Arbeit bekommen hatten. In einer Seelenruhe wird halt alles noch einmal erklärt, gezeigt und vorgemacht.

Weil mein Geburtstags- und Pensionierungs-Apéro zur Zeit der Planung nicht durchgehen sollte, schrieb und gestaltete ich für jedes Team-Mitglied einen persönlichen Brief, den ich an ein Fläschchen Sekt band und am Tag der geplanten Feier in Schulzimmer, an Türfallen und in Fächlein verteile.

Die Kinder kriegen auch einen Brief je nach Alter mit anderen Süssigkeiten, auch für die ganze Klasse, aber erst in der letzten IF-Zeit.

Die Kolleginnen schauen sich meine Schränke durch auf Brauchbares für ihren Unterricht. Orange Gepunktetes ist reserviert für meinen Nachfolger. Wenn dieser die Sachen auch noch durchgeschaut hat, geht der Rest in die Mulde. 

Auch im Sekretariat werde ich einen Besuch machen, denn dieses leistete während über 40 Jahren tolle Dienste für mich. Darunter die Papiere für Dienstaltersgeschenke, Bescheide zu Gesuchen über unbezahlten Urlaub fürs Segeln. Seit Neuestem das Senden der jährlichen Pensenvereinbarungen. Die ganze Infrastruktur fürs Internet. Die Kontakte wegen des LehrerOffice. All die Organisationen und Planungen rund um gemeinde-interne Fortbildungen. Ausrichten von Sitzungsgeldern. Einladungen und Organisationen rund um die Gesamtschulkonferenz. Einfach Danke! Auch für das wunderbare, würdigende Arbeitszeugnis! Beim Lesen wird einem warm ums Herz.

Ein Dankeschön an die  Schulleitung, die immer für mich da ist, wenn ich Sorgen und Sörgchen loswerden muss. Die manchmal auch verärgert ist über mich, weil ich irgendetwas falsch angeschaut oder formuliert habe, sich aber Zeit nimmt, die Missverständnisse zu klären oder mir den Auftrag gibt, sie zu klären. Die Freuden teilt und lacht mit mir. Die über Gleiches sich amüsiert. Die alles rund um die Anstellungen klärt und zusammenstellt, sodass am Ende ganze Pensen zustandekommen, so wie wir sie uns wünschen. 

Nun die letzten drei Wochen "Marlies - allein zuhaus" und Schule mit erneuten Erleichterungen, die der Bundesrat heute bekannt gab: Versammlungen bis 1000 Personen, Demonstrationen auch mehr, aber mit Mundschutz. Empfehlung für Mundschutz in den ÖV noch immer  Distanz nur noch 1,5m, wie in Resteuropa. Arbeit nicht mehr im Home-Office.

Freude  👍😀😊

Ganz Europa lässt sich auf neue Freiheiten ein. So kann ich mich nicht nur auf die Pensionierung an sich, sondern auch auf die Ferien freuen. Nachdem am kommenden Mittwoch mein Nachfolger die für ihn nötigen Schulmaterialien bezeichnet haben wird, beginnt es mit Wegwerfen. Ich werde nichts behalten, ausser der Seekiste, die ich von meinen Nichten zum 60sten erhalten habe.

Wunderbar, keinen Stundenplan mehr zu haben, keine fixen Termine oder mich wehren zu müssen gegen allzu spät am Abend angesetzte Elterngespräche. Herrlich, nicht mehr im Dunkeln hin und zurück radeln zu müssen, sondern das Tageslicht auch für Privates nutzen zu können. Keine Wochenpläne mehr erstellen zu müssen, sie mit den anderen zu koordinieren. Nie mehr einen Stundenplan erstellen, keine Lektionsnotizen ins Journal stellen, keine Förderpläne mehr zu verfassen oder Lernberichte. Am Morgen kein Hetzen mehr, damit ich um 06.15 Uhr in der Schule bin. Keine Befürchtungen mehr, dass mein Schlüssel für den Veloraum nicht programmiert wäre. Einfach privat sein.

Eine kleine Träne 😢

Schade, keine Gespräche mehr über Mittag, in der grossen Pause und vor der Schule zur Woche und zu den Kindern. Keine Kinder mehr, die einen jung halten mit ihren Ansichten, ihrem Verhalten, ihren Geschichten. Keine Schul-Organisationen mehr. Keine Sitzungen mehr, keine "blöden" Spiele mehr vor der Sitzung, keine Missverständnisse mehr, die per Mail in Echtzeit geklärt werden. Kein Lärm mehr, über den man sich so schön ärgern kann. Keine Projekte mehr, keine Exkursionen mehr. Keinen tollen Hauswart mehr, der immer wieder etwas von der Obrigkeit weiss und für mich alles tut, was in seiner Macht steht.

So viele "kein" verdienen eine kleine Träne 😢

Eine grosse, aber auch Freuden-Träne 😥😥😥

Die Befürchtung war ja lange Zeit, dass es ein sang- und klangloses Nach-Hause-Gehen geben würde, einfach mal noch von Ferne Tschüss gesagt. 
Doch nein, meine Kolleginnen und Kollegen, die Schulleitung und weitere zur Schule gehörende Personen organisierten eine Abschiedsfeier, die nicht grossartiger, phantastischer hätte sein können. Damit der Abstand gewahrt bliebe, stand das Team Spalier,  
nachdem ich alleine als Erste mich am Apéro-Buffet gütlich tun durfte und wir ohne Klang auf unser Wohl getrunken hatten. 
Im Saal erwartete mich eine Strand-Loge mit Extra-Tischchen, meeresufer-geschmückt. Hier würdigten zwei Anglerinnen mit einem Wurm an der Angel meine Tätigkeiten und deren Bedeutung für mein Team, die Kinder und deren Eltern. Sie fischten nacheinander eine Uhr, einen Drink, die Piraten-Flagge, den Kompass, den Anker, eine Kaffeetasse, eine Perlenmuschel, …. heraus und erzählten auf liebenswürdigste Weise unter dem Motto des Gegenstandes das mich und mein Team betreffende Schulkapitel. 

Die eine oder andere Träne der Rührung entwischte nicht nur meinen Augen. 

Das mir gewidmete Lied mit personalisiertem Text "An der Nordseeküste" von Klaus und Klaus gesungen auch von Kelly-Family nahm ich vor lauter Aufregung erst am Schluss auf. 
Der mit mir pensionierte und am selben Abend, ganz anders zu verabschiedende Schulleiter hat mir auch ein persönlich für mich getextetes Lied gewidmet anhand der Melodie "z' Basel am mym Rhy" und leitete den Steini-Chor, damit ich es doch einmal hören würde. Diesmal schaffte ich die Aufnahme-Taste fast von Beginn an, womit ich mir das Lied immer wieder anhören und mitsingen kann. Weil eine der Organisatorinnen Bescheid wusste darüber, wie stark mir eine weitere Kollegin aus dem Partnerschulhaus am Herzen liegt, lud sie sie kurzerhand auch zu diesem Abend hier ein. 
Mit Singen, Präsentieren, Schlemmen und Rücksichtnehmen war die Präsentation und der Abend jedoch noch nicht beendet, denn jede und jeder hatte eine eigene, wasserdichte (Doppel-) Seite für mein Pensions-Buch gestaltet, sodass ich noch lange an alle diese lieben, tollen, kreativen, engagierten, musikalischen Kolleginnen und Kollegen denken soll. Damit das Buch nicht untergeht, wird es von einem Mini-Fender getragen. Ist das nicht einmalig? Und der Gutschein wird unsere Bootsausrüstung vervollständigen. Ein riesengrosses herzliches Dankeschön für diesen wundervollen das Herz anrührenden Abend! 💖💖💖💖💖


Wer denkt, dass der Abschied jetzt gelaufen sei, täuscht sich! Nun bringen die Kinder ihre Abschiedsgaben. Einzeln und von Klassen kommen Blumen-Sträusse und -Töpfe, Süssigkeiten, Lieder, Pensionierungskarten, eine ganze Strandszene mit Tablett, Puppe, Liegestuhl, Leuchtturm-Kerze und Segelboot, aber auch ein Jahreskalender zum Aufhängen, der ganz auf meinen neuen Lebensabschnitt ausgerichtet ist.  


Vielen Dank für all diese Abschiedsgrüsse und guten Zukunftswünsche! 👍👍👍💙💙💙🙏🙏🙏

Der Count-down läuft, drum folgt das Pensionslied ✌✌😁😁



Mein Pensionslied (Reim dich oder ich fress dich!) 🎹🎼🎻🎸🎵🎶


25. Juni: Elf kleine Schultäglein,
die waren noch zu geh'n, 
doch kaum hast du hingeschaut, 
da waren's nur noch 10.

26. Juni: Zehn kleine Schultäglein,
die wollten sich gleich freu'n,
doch einer hat genug von dem, 
da waren's nur noch 9.

29. Juni: Neun kleine Schultäglein,
die sind ganz früh erwacht, 
doch einer hat kein' Hunger noch, 
da waren's nur noch 8.

30. Juni: Acht kleine Schultäglein, 
die haben viel geschrieben,
doch einer schob s' Papier gleich weg,
da waren's nur noch 7.

1. Juli: a) Sieben kleine Schultäglein, 
die trafen sich mit Michis Echs', *
doch einer will noch viel mehr hör'n,
da waren's nur noch 6. 
1. Juli: b) Sieben kleine Schultäglein, 
die waren im Gefecht, 
doch einer macht sich schnell davon,
das war den sechsen recht.

2. Juli: Sechs kleine Schultäglein, 
die wollten 's noch vernünftig machen, 
doch einer fand das ziemlich dumm,
drum sind jetzt noch 5 am Lachen.

3. Juli: Fünf kleine Schultäglein, 
die ziehn durch s'Naglikon-Quartier,**
und einer fand 'n Saurierbein, 
da waren's nur noch 4.

6. Juli: Vier kleine Schultäglein,
die freuten sich auf d' Segelei, 
doch einer find't die Schleuse nicht,
da waren's nur noch 3.

7. Juli: Drei kleine Schultäglein, 
die riefen jubelnd Hei-Juhei,
doch einer sich verschluckt am Brei,
da waren's nur noch 2.

8. Juli: Zwei kleine Schultäglein,
die fanden andres feiner,
drum räumt hier einer alles auf,
da ist es nun noch einer.

9. Juli: Ein kleines Schultäglein,
denkt etwas allgemeiner,
versteckt sich auf dem Segelboot,
da ist es grademal noch keiner.

10. Juli: Elf kleine Schultäglein,
sie sind für gut gegangen, 
drum hat die Pension jetzt schon
für Marlies angefangen.

👍❤👍😃😃😃🎵🎶

Habt es alle gut, geniesst die fast Corona-freien Ferien und freut auch nach den Sommerferien auf den Start in eine neue Klasse, zu neuen oder immer noch gleichen Aufgaben!

* Michael Hatzius mit seiner Echse 

** historisch bedeutsames Gebiet, in welchem noch Pfosten der Steinzeithäuser zu finden sind.

Quellen: Fotos von der Autorin, Emojis vom Blogger, Cliparts hat das Internet gratis zur Verfügung gestellt.