Mein erster Schultag als Lehrerin
Mein Schulzimmer schaut auf die Wiese und den See. Es hat ohne Schränke eine Grundfläche von circa 64 m2 und bietet Platz für 31 Schüler*innen. Das hat man damals noch nicht gesagt, es waren einfach Schüler. Genau wie das Lehrerzimmer. Die Frauen waren wohl einzeln Lehrerinnen, aber alle zusammen waren Lehrer.
Lehrer sein
Was so langsam änderte in der Zeit von Alice Schwarzer, war die Ansprechform der nicht verheirateten Frauen. Diese waren ja noch Fräuleins, genau so wie im Service der Restaurants. Eigentlich störte sich noch niemand daran, aber es war eine lange Angewöhnungszeit, bis aus den Fräuleins Frauen wurden und man die Bedienung oder den Service in den Restaurants rief.
Freude und Aufregung
Ja, also die Freude ist genau so gross, wie die Aufregung! Mein erster Schultag in Eigenverantwortung. Bald würden die Schüler gebracht oder alleine kommen. Immerhin ist es ja eine zweite Klasse. Kennengelernt habe ich sowohl die Eltern, als auch die Kinder schon. Die Eltern an einem gemeinsamen Elternabend mit der abgebenden Lehrerin. Die Kinder an einem gemeinsamen Abschieds- und Anfangszmittag im Schulzimmer. Wir bereiteten Spaghetti und zum Dessert Schokoladen-Fondue vor. Die Schüler waren begeistert. Spaghetti mag ich noch immer sehr. Schokoladenfondue habe ich nie mehr gegessen.
Der Hausvorstand als Sekretariat
Oh, da gibt es noch den Hausvorstand. Der bringt bereits vor Schulanfang am Morgen gefühlt einen Stapel von anderthalb Metern Höhe. Formulare, welche ich in dieser ersten Woche ausfüllen müsse. Ich dachte, ich würde Schule geben! Im Büro gearbeitet (und geputzt) habe ich während der Ausbildung zur Primarlehrerin. Was ist denn da nun los? Im Laufe der Jahre kam die Angewöhnung. Und als dann alles klar war, kam die Schulleitung, welche den Formularkrieg auf ein Minimum beschränkte. Aber davon später.
Die Schulstunde beginnt
Es läutet. (Das ist auch so ein Ausdruck: Es läutet. Nicht die Pausenglocke, die Schulglocke, die Alarmsirene, die Kirchenglocke läutet, sondern einfach: Es läutet.) Jedes Kind hat seine Namenskarte an seinem Platz, so findet es ihn, braucht nicht zu fragen, sondern kann sich einfach hinsetzen und auspacken. Die Theks, Bezeichnung für Schultasche, Ranzen, Rucksack, kommen unter den Fenstersims, Die Gruppe rot hinten rechts und die Gruppe blau vorne rechts. Von der Lehrerin aus gesehen. Alles wird ausgepackt und unter der Bank ordentlich versorgt. Die Bank ist ein höhenverstellbarer Tisch für zwei Kinder, den man zusätzlich in der Neigung variieren kann. Unter dem Tisch befinden sich zwei Tablare zum Aufbewahren unterschiedlich grosser Schulsachen. Versorgen bedeutet einräumen.
Begrüssung
Nach einem kurzen Willkommensgruss findet das Begrüssungssingen statt. Die Lehrerin begleitet mit der Alt-Blockflöte. Am Tag zuvor hatte die kleine Schwester, die in die sechste Klasse kam, mit ihr ein paar Lieder geübt, sodass es klappen sollte am Montag. Sich gegenseitig vorzustellen erübrigt sich, weil wir uns doch kennen.
Unterricht
Danach wird im Frontal-Unterricht gerechnet. Kopfrechnen, so richtig, ohne dass man die Rechnung sieht. Die Kinder hören sie nur. Doch schon ist der Frontal-Unterricht vorbei. Die Blauen kommen nach vorn, während die Roten an ihrem Platz selbständig Repetitions-Aufgaben des Erst-Klass-Stoffs lösen. Diese Aufteilung hilft, um neue Themen in einer kleineren Gruppe so zu besprechen, dass alle am mündlichen Unterricht teilnehmen und danach selbständig weiterarbeiten können. Ausserdem wird das neue Thema zur Hausaufgabe. Nach 10 Minuten gibt es den Wechsel. Die Roten kommen nach vorne und die Blauen arbeiten am Erst-Klass-Stoff. Das geht schon auf, weil die Lektion damals 50 Minuten dauert. Vorne zur Tafel gewandt stehen für die Kinder zwei Bänkli, niedrige, lehnenlose Sitzbänke für je 8 Kinder. Ein Aufgabenbüchlein muss die Klasse noch nicht führen, denn das Schulmaterial ist überschaubar. Was nach Hause kommt, ist Hausaufgabe.
Hugelshofer-Bücher
Im Deutsch lesen wir in den Hugelshofer-Büchern. Daraus ergeben sich auch Rechtschreibe- und Satzbau-Aufgaben. Je vier Bücher gibt es für die zweite und die dritte Klasse. Jedes auf eine Jahreszeit zugeschnitten. Die Geschichten von Frau Hugelshofer sind das obligatorische Sprach-Lehrmittel und sollen den Lebensraum und die Erfahrung dieses Alters spiegeln sowie zum Lesen anregen.
Schrift
Das Fach Schrift deckt vier halbe Lektionen pro Woche ab. Die Lehrerin schreibt die Schreibblätter auf einer sogenannten Schnapsmatritze vor (Ein selber zu gestaltendes Blatt, welches auf die momentane Kenntnis und Fähigkeit der Schüler als Gruppe zugeschnitten ist. Man schreibt auf ein Blatt, welches durch das Schreiben die Farbe des dahinterliegenden Blattes annimmt. Zur Vervielfältigung spannt man dieses Blatt mit der Schrift so auf eine Walze, dass die Schrift spiegelverkehrt sichtbar wird. Nun dreht man die Walze mittels einer Kurbel und gibt Blatt für Blatt ein, das die Walze einzieht und solange Sprit im Behälter vorhanden ist, das Original darauf kopiert. Am besten vervielfältigt man solche Vorlagen am Morgen früh oder abends spät, weil es eine rechte Zeit in Anspruch nimmt.). In diesem Zusammenhang wird auch gleich die Rechtschreibung geübt.
Bald sind Schultag, wie auch die Lehrerin, zwar glücklich, aber geschafft.
Merk-würdig
Elternkontakt
Den ersten Elternabend hatte ich bei Schulbeginn ja schon hinter mir. Doch wie Kontakt halten mit den Eltern, wenn man kein Telefon hat? Mobil-Telefone gab es 1977 noch nicht. Das erste in unserem Besitz fuhr mit uns im Auto mit im Jahr 1988. Es war ein Hochgefühl, von der Fahrt ins Tessin aus die Mama anzurufen! Ein Kasten von 25 mal 40 mal 20 cm begleitete uns. So brauchten wir in der Ferienwohnung keinen Telefonanschluss installieren zu lassen. Für mehrere tausend Franken war man mit dabei. Der nächste Schritt fan 1994 statt. Ein Nokia-Telefon von einer rechten Grösse und auch nicht ohne Gewicht, aber mit herausstehender Antenne. So teuer, wie heute ein Hochleistungssmartphone. Doch die Antennen-Abdeckung in den Alpen war schon gewährleistet.
Zurück zum Elternkontakt. Eine Sprechstunde war schnell installiert und im Stundenplan aufgeführt. So konnten die Eltern mit Fragen vorbeikommen. Dienstag, 16 bis 17 Uhr. Eine Mutter hatte ein Nachzüglerkind, war also schon ziemlich lange verheiratet, hatte erwachsene Kinder. Ich war gerade mal 21, nicht verheiratet. ohne Kinder, nur in einer Beziehung seit sechs Jahren. Was war die Frage nochmals? Die Mama könne mit ihrem Mann nicht über Erziehungsprobleme reden, er sei auch selten zuhause. Sie wisse nicht, wie sie das mit ihm angehen solle.
Abmelden bei Krankheit
Wenn ich krank war, musste ich zum mehrere hundert Meter entfernten Postgebäude mit öffentlicher Telefonzelle marschieren, dick vermummt, fast ohne Stimme, heisser Kopf. Die Nummer auf einem Zettelchen und einige Münzen in der Hand. Unter diesen Umständen war es fast leichter, trotz Grippe zur Schule zu gehen.
Schultransport
Damit wir den steilen Weg am frühen Morgen nicht zu Fuss gehen mussten, versammelten sich die drei Lehrerinnen, welche im gleichen Quartier wohnten, bei einem Arbeits-Kollegen mit Auto fünf Minuten weiter. Um sieben waren wir dann alle in unseren Schulzimmern, um vorzubereiten.
ELB
Bald nach Schulstart rief ein initiativer Schulpfleger das Gremium Eltern-Lehrer-Behörden-Zusammenarbeit ELB ins Leben. Eine Vollversammlung aller Betroffenen fand an einem sonnigen Samstag im grössten Schulhaus der Gemeinde statt. Mit wem zusammen war ich da in eine Arbeitsgruppe eingeteilt? Ja, genau. Mein Vater hatte sich für diese Veranstaltung auch angemeldet, weil meine kleine Schwester noch in der sechsten Klasse der Primarschule war während meines ersten Jahres als Lehrerin. Der Bruder zwar auch, aber in der Oberstufe, welche eine eigene Schulgemeinde ist, mit den damals noch selbständigen Gemeinden Hütten und Schönenberg zusammen. Seit 2018 gehören sie politisch ebenfalls (Hütten) und wieder (Schönenberg) zu Wädenswil. Die Oberstufe bildet aber noch immer eine eigene Schulgemeinde. Paps war schon eine Überraschung und die Gruppenzusammenarbeit bestens.
Heute würde man diese Veranstaltung Kick-off-Anlass nennen. Denn ihr Ziel war es, in jedem Schulhaus die Zusammenarbeit dieser Gremien zugunsten des Schulkindes zu fördern.
Ja, das war dann wohl der Start für mich, um neben der Arbeit in der eigenen Klasse Aufgaben und Ämter zu übernehmen. (vergleiche Post Aufgaben und Ämter)
Lektionenzahl und Arbeitswochenlänge
Verkürzung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit
Bei meinem Vater erlebte ich, wie sich die Arbeitszeiten über die Jahrzehnte änderten. Arbeitete man in den Fünfzigerjahren noch die ganzen 6 so bezeichneten Werktage, änderte sich das fliessend, bis zu den sogenannten gleitenden Arbeitszeiten. Erst wurde der Samstagnachmittag für Industrie, Gewerbe und Handwerk frei. Später musste nur noch alle zwei Wochen an einem Samstagmorgen gearbeitet werden, bis schliesslich in den Siebzigern der Samstag ganz frei wurde. Parallel dazu wurden die Arbeitstage kürzer: von neuneinhalb auf neun Stunden täglich, danach auf eine 42-Stunden-Woche.
Schul-Arbeits-Zeit
In der Schule arbeiteten nicht alle gleich viele Stunden pro Woche, sondern je nach sogenannter Stufe. Alle jedoch hatten die ganzen sechs Tage anzutreten, wie auch die Kinder. Viele Eltern äusserten sich später besorgt darüber, dass die Kinder eine Fünftagewoche haben sollten. Mit unterschiedlichen Argumenten. Man könnte dann nicht mehr in Ruhe alles fürs Wochenende vorbereiten; es würde den Kindern dann langweilig sein; sie würden dann am Nachmittag nicht mehr in die Jugendgruppe gehen; ...
Die Mittelstufe verfügte über 28 Wochenlektionen, während die Unterstufe deren 30 unterrichtete. Die Kinder selber hatten weniger Lektionen, je nach Klassenstufe. Die Begründung dazu lautete, dass die Unterstufe öfter Halbklassen-Unterricht hatte, was weniger Vorbereitungszeit fordere. - So wurde das Schulhaus samstags meist bereits um 11 Uhr leerer. Zudem konnte die Mittelstufe den Freitagnachmittag frei halten, während die Unterstufe anwesend war und lernen musste.
Spätsommer-Schul-Beginn und Fünftagewoche
Einige Jahre nach der Einführung des Spätsommerschuljahrbeginns änderte auch dies. Die Fünftagewoche war eingeführt und gleichzeitig die Lektionsdauer, welche sich vorher über je 50 Minuten spannte, ausser nach der Zehnuhrpause, welche 15 Minuten umfasste. Die neuen Lektionen dauerten 45 Minuten, und die Anzahl der Unterstufen-Lehrpersonen-Lektionen senkte sich auf 29.
Mehr Sitzungen
Dadurch aber wurde die Präsenzzeit in Lektionen für die Lehrpersonen geringer, was kompensiert werden musste. Einerseits hatte man neuerdings Hütepflichten von 8.10 Uhr bis um 8.20 Uhr, was eine Lektion pro Woche ausmachte, andererseits mussten mehr Sitzungen abgehalten werden. Bis dahin hatte es nur die Informations-Sitzung nach der Schulpflegesitzung gegeben plus ca. 3-4 mal im Jahr den sogenannten Gesamtkonvent, welcher eine Stunde dauerte. Nun vermehrte sich diese Sache auf zwei Sitzungen pro Woche im Schulhaus und eine pro Monat als verpflichteter Gesamtkonvent. Dieser wurde durch den Konventspräsidenten und den Vizepräsidenten geleitet, welche unterstützt wurden durch die Hausvorstände. Das Budget von um die paar hundert Franken wurde stets auch durch Revisoren geprüft! Für die 70 Personen, welche die Gemeinde in den 70ern umfasste, reichte der damalige Singsaal des Zentralschulhauses vollauf.
Von der direkten Demokratie zum Delegiertensystem
Heute füllen wir den Gemeinderatssaal oder die Kulturhalle vollauf, haben aber im Normalfall keine direktdemokratischen Möglichkeiten zur Mitbestimmung, denn wir sind nicht nur im Schulhaus, sondern in der Schule geleitet und können unsere Ideen und Vorschläge via Schulleitungen an die Schulpflege überbringen.
Jahresarbeitszeit
Die Arbeitszeit ist seit wenigen Jahren total angepasst worden, sogenannt zur Entlastung der Lehrpersonen, welche gemäss Erhebungen Ende der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre viel zu stark belastet seien. Nun teilen die Schulleitungen die Pensen zu. Es gibt eine bestimmte Menge an Stunden, die den effektiven Unterricht, die Vor- und Nachbereitung und weitere direkt damit zusammenhängende Arbeiten betreffen. Daneben stehen ein paar hundert Stunden für Sitzungen, Nebenämter, Gruppenarbeiten und ähnliche Aktivitäten zur Verfügung. Zusammen ergibt das ein Jahrespensum, das nicht mehr von den erteilten Lektionen abhängig sein soll. Vier bis sechs Wochen jährliche Ferien nimmt man in den Schulferien. Die restlichen der 13 Wochen sollen mit Schularbeit, eventuell mit verpflichteter Anwesenheit im Schulhaus gefüllt werden. Damit man nicht überlastet ist. Solange die Schulleitung solche Zuweisungen mit Fingerspitzen-Gefühl und für alle möglichst gleich vornimmt, bleibt auch das Arbeitsklima gut.
Altersentlastung
Entlastungen für Alte (früher ab 57 drei Lektionen Sport, die jemand anders übernahm) sind gestrichen. Man hat sie im vergangenen Jahrzehnt bereits auf 2 Lektionen gekürzt. Schulische Heilpädagog*innen hatten noch vor wenigen Jahren das Anrecht auf vier Lektionen Koordinationszeit, weil die Absprachen mit den Klassenlehrpersonen enorm viel Zeit und Energie beanspruchen. Das bedeutete, dass man effektiv 24 Lektionen an den Klassen war, statt 28, wie für ein Vollpensum vorgesehen. Im Zuge der Zeiterfassung auch für Lehrpersonen fielen diese Lektionen auch weg. Man kann die Koordination ja in den Ferien oder am Wochenende vornehmen.
In Jahren, in welchen die Arbeitszeit nicht auf solchen Schleichwegen verlängert wurde, kürzte man uns zweimal den Lohn, nicht relativ, sondern effektiv, es gab einfach weniger Lohn, als gerade noch vorher. Damit auch weniger in der Pensionskasse und in der AHV. Die Pensionskasse hatte sich zudem in den 90er-Jahren verspekuliert und Gelder veruntreut, was die Versicherten wieder mit aufbauen mussten, durch mehr Abgaben. Um das auszugleichen, wurde die Rente von 6,8% Umwandlungssatz auf 4,8% gekürzt und das Rentenalter im Kanton für alle gleich angesetzt, sprich für Frauen gleich hoch, wie für Männer, bis man die Maximalrente erreicht.
Den Maximallohn zu erreichen gelang für die Baby-Boomer der späten 50er- und frühen 60er-Geburtsjahrgänge sowieso nicht mehr, weil zu selten eine Lohnerhöhung mit einer Stufenerhöhung vorgenommen wurde, seit man auch noch die Mitarbeiter-Beurteilung eingeführt hatte.
Bildungspolitische Aktivitäten
Ausser guten Unterricht zu machen, wurde verlangt, sich zu bildungspolitischen Fragen zu äussern. Dazu wurden pro Bezirk im Kanton Zürich jährlich vier sogenannte Kapitels-Versammlungen durchgeführt. Bei uns wurden diese Versammlungen zweimal als Teilkapitel Bezirk Nord und Bezirk Süd und zweimal als Gesamtkapitel an einem Samstag durchgeführt. Weil in den vielen Gemeinden ziemlich viele Lehrpersonen arbeiteten und die Oberstufe auch dazu zählte, waren grosse Räumlichkeiten gefragt, welche nicht jedes Dorf anzubieten hatte. Die Stellungnahmen zu den entsprechenden Themen wurden aus allen Bezirken zusammengetragen und von den Kapitelspräsidenten als Gesamt-Meinung den entsprechenden kantonalen Gremien vorgelegt, welche diese in ihren Entscheidungsprozess mit einbezogen.
Die Teilnahme war unter Bussen-Androhung obligatorisch. Die Bussen staffelten sich, je nach Anzahl geschwänzter Versammlungen pro Jahr von 20.- Franken fürs erste bis zu 80.- Franken fürs vierte geschwänzte Kapitel.
Weil aber zur Bildung auch Gymnasium und Universität gehören, wandelte man einmal jährlich an die Synode, welche Stufen- und Niveau-übergreifende Themen behandelte. Hier war ungestraftes Fehlen möglich.
Heute gibt es weder das Eine, noch das Andere mehr in dieser direktdemokratischen Form, sondern mittels Delegierter, welche vielleicht einmal im Jahr die Schulen per E-Mail informieren.
Elektronische Medien
Meine Arbeit am Oberseminar basierte noch auf der Handschrift, Schnürlischrift. Arbeitsblätter wurden je nach Alter der Kinder in sauberer Blockschrift oder in verbundener Schrift verfasst, wovon auch die Tafelbilder lebten.
Formulare, Einladungen, Protokolle, alles wurde von Hand oder mit der Schreibmaschine verfasst. Für die Arbeit als Quästorin bekam ich noch das Kassabuch aus der ersten Stunde der Stiftung zur Erhaltung der Burg Alt Wädenswil, um die Abrechnungen festzuhalten. Dieses Buch ist nun im Archiv.
Elektrische bis zu elektronischen Hilfsmitteln
Matritzen, getippt auf der Schreibmaschine zeigten meist unsaubere Konturen der Buchstaben. Über einen Revox-Recorder verfügte unser Schulhaus schon, um bestimmte, seltene Musikaufnahmen zu machen. Dia-Projektoren zur Ausleihe für eine oder mehrere Schulstunden, standen zur Verfügung. Fast jedes Schulzimmer hatte einen Overheadprojektor, mit dessen Hilfe den Kindern manche Arbeiten authentischer vorgezeigt werden konnten, als an der Wandtafel. Auch einen Filmprojektor gab es, um bei den SAFU-Werken (Schweizerischen Arbeitsstelle für Unterrichtskinematographie) ausgeliehene Lehr-Filme zu zeigen. Wehe, man liess den Film während der Projektion zu lange stehen, um etwas im Detail zu besprechen! Das Loch war vorprogrammiert. Ein Radio mit Kassettengerät schaffte sich jede Lehrerin privat an.
Anfang der 80er-Jahre kamen die ersten Tisch-Fotokopier-Apparate für Schwarzweiss-Kopien in die Schulhäuser. Die Kopien fühlten sich samtig an und waren enorm teuer. Noch einmal wurde gekauft und zwar Normalpapier-Kopierer! Diese verarbeiteten auch Folien. So wurden Arbeitsblätter 1:1 auf dem OHP gelöst. Diese Geräte wurden nach Service-Ablauf an Mitarbeitende verkauft und durch grosse schnelle und intelligente Bürokopierer ersetzt. Die Leasing-Firma tauscht die Geräte aus, sobald für die Firma nicht mehr rentabel kopiert werden kann. Automatisch gefalzte, geheftete und farbige Arbeitsbroschüren für die Schüler*innen sind nicht mehr wegzudenken.
Computer
Obwohl wir schon im vierten Gymi 1972 über ein Terminal zum Uni-Computer (der ein ganzes Stockwerk ausfüllte) verfügten, war es noch ein langer Weg vom einen Meter breiten Papier-Rollen-Plotter, welcher die mittels "Pascal" programmierten Resultate ausdruckte, bis zu einem Personal-Computer, der den heutigen PCs ähnlich war.
Die Atari-Computer liess ich gleich aus. Ich erhielt einen würfelförmigen Bildschirm, der in seinem Sockel über zwei Schlitze verfügte. In den einen schob man die Programm-Diskette, in den anderen die Speicher-Diskette, sogenannte Floppy-Disks. Deren Aussehen war bereits nicht mehr fremd, da Sony die Compactdisc auf den Markt gebracht hatte, welche die schwarzen Vinylplatten für den Nadelplattenspieler ersetzen würde. Beim Besuch in der IBM Mitte der 70er-Jahre war eine Diskette noch gut 30 Zentimeter im Durchmesser und mehrere Zentimeter hoch. Sie hatte die Speicherfähigkeit von mehreren tausend A4-Seiten! Wie beeindruckend damals, als ein rechtes Nachschlagewerk mindestens zwei bis drei Tablare eines 80cm-Büchergestells füllte.
Nebst dem Kollegen, welcher eine Druckerei führte, war ich die Einzige, welche nun plötzlich Arbeits- und Merkblätter auf dem Computer verfasste und mittels eines angeschlossenen Neun-Nadel-Tinten-Druckers auch ausdruckte.
Um mehr Programme zur Verfügung zu haben, als ein Textverarbeitungs- und Archivierungs-Programmes, wurden Pascal-Kenntnisse aufgefrischt und D-Base-lll eingeübt. Doch nun ging es schnell.
Der PC wurde farbig, hatte eine externe Zentraleinheit und Kaufprogramme, welche alle wünschbaren Aufgaben übernahmen. Kaum war Frame-Work auf harten Disketten so richtig eingeübt, kam Windows und Office. Die Mac-Computer waren lange Zeit weiter, aber so unglaublich teuer, dass die Öffentlichkeit sich solches nicht leisten konnte.
Als ich mir in den 90er-Jahren ein Laptop erwarb, war der Grundstein für Schul-PCs für mich gelegt. Bald konnte ich günstig weitere Geräte erwerben, die Kids übten am 10-Finger-System, um schneller am PC arbeiten zu können. Wir kauften Lernprogramme und richteten uns eine gemeinsame E-Mail-Adresse ein, sodass alle unmittelbar die Fragen oder Anregungen aller Klassenkamerad*innen sahen und selber nicht mehr nachfragen mussten.
Nicht so ganz zufrieden mit dieser Entwicklung waren die Eltern, vor allem, weil auch noch der Beamer der Klasse das Wochenprogramm, erstellt auf PowerPoint, vorführte.
Seit nunmehr über 15 Jahren verfügt jedes Klassenzimmer über 4 Geräte, die zuerst über Kabel, doch nun über Wifi mit dem Inter- und Intranet verbunden sind. Zusätzlich hat jede*r Mitarbeiter*in, wie auch die Mittelstufen-Schüler*innen ihr eigenes Gerät, auf dem alle wichtigen und wünschbaren Programme zur Verfügung stehen. Wir drucken von zuhause aus die nächsten Arbeitsblätter, Protokolle und Broschüren aus, sodass keine Warteschlangen am Drucker entstehen.
Smarte Schulzimmer
Der Beamer ist Standard und das Licht geht in jedem neu renovierten, aus- oder umgebauten Schulhaus via Sensoren an und aus. Energiestadt zu sein, verlangt nach energiesparenden Massnahmen in der Öffentlichkeit.
Der Visualizer hat die Funktion des OHP übernommen, ein USB-Anschluss oder Bluetooth sorgen für Musik, wenn ein neues Lied eingeführt werden will oder Hör-Verstehen kontrolliert wird.
Fett gedruckt in diesem Abschnitt: geschützte Begriffe.
Um- und Neubauten
Erstes Schulhaus über dem Friedhof
Am Ende meiner eigenen sechsten Primarklasse durften einige Kameradinnen und ich das in der Nähe des damaligen Waisenhauses neu gebaute Schulhaus Gerberacher besuchen, weil Heidis Eltern dort die Hauswartung übernommen hatten mit angebautem, eigenem Hauswarts-Haus.
Später sollte dies mein erstes Schulhaus als Lehrerin sein. Während meiner Schulhaus-Vorstand-Zeit (gleich Hausvorstand) war eine Energiesanierung nötig. Der alte Grobverputz hatte ausgedient und entsprach schon in den 80er-Jahren nicht mehr den wärmedämmenden Ansprüchen eines Gebäudes. Ein ziemlicher Lärm begleitete unseren Unterricht während recht langer Zeit, bis alles Alte abgespitzt und die Träger für die Wärmedämmung und die Eternit-ähnliche Hülle montiert war. Doch es hatte sich gelohnt. Die Hülle dämmt auch dreissig Jahre später noch.
Zusätzlich wurden in einigen Zimmern die Böden erneuert und die Verdunkelungsvorhänge ersetzt.
Weil eine Handarbeits-Stelle weniger nötig war, konnte dieses Zimmer in eine Bibliothek umgebaut
werden. Total gemütlich mit teppichbelegten Sitztreppen zum gemütlichen Schmökern. Auch das lief in meiner Zeit ab. Theoretisch unter meiner Leitung. Natürlich bemühte ich mich, alles zu verstehen, aber der Hauswart war in diesen Dingen doch mehr bewandert, sodass er mich gut beriet.
In diesem Zusammenhang mein erster PC mit Neun-Nadel-Drucker voll zum Zug: jedes Buch wurde in manchen Nachtstunden katalogisiert und auf Karteikarten aufgenommen, was nach meiner Zeit die Grundlage bildete, um den Katalog zu modernisieren, indem er auf angepasste Programme umgespeichert und ergänzt wurde.
Das älteste Dorfschulhaus als zweites Schulhaus
Als ich für meine Französischklasse ins nächste Schulhaus umzog, dauerte es auch nicht lange, bis der Raum zu klein wurde. Die Handarbeit fand im Zentralschulhaus und im Schulsekretariat oder dem alten Gesellenhaus statt, über eine bis zwei stark frequentierte Strassen zu erreichen, was für die Klassen nicht ganz ungefährlich war, denn sie sollten ja in der Zehnuhr-Pause einen pünktlichen Wechsel vornehmen.
Der Pavillon, in dem schon meine kleine Schwester eingeschult wurde, musste weichen und einem Schulhaus mit Pyramiden-förmigen Dach Platz machen. Das verfügte nun den modernen Forderungen entsprechend über Gruppenräume neben den Schulzimmern und über zwei Handarbeitszimmer. Der Dachstock sollte als Aula dienen, musste aber sicherheitstechnisch noch weiter mit Fluchtmöglichkeiten ausgerüstet werden, bevor es soweit war.
In der Projektwoche zur Einweihung hatte ich mir Holzarbeiten vorgenommen, weil der Dachstuhl, ähnlich wie die Eishalle Davos aus Holzverbund-Material aufgebaut war. So baute ich Setzkästen wie die Giebelfront eines Fachwerkhauses, ganze Fachwerkbauten auch aus Zündhölzern. Die Workshop-Teilnehmenden lernten Zimmermannsknoten herstellen und so Verbindungen zu machen, die ohne Nägel oder Schrauben auskommen. Dazu besuchten wir den Dachstuhl der reformierten Kirche unter Leitung desjenigen Lehrers, welcher das erste Heimatkunde-Lehrmittel herausgegeben hatte und alle seine Dias zur Verfügung stellte, sodass jedes Schulhaus darüber verfügte.
Das Zentralschulhaus als drittes Schuldomizil
Im Zentralschulhaus wurde bald schon die dreifach-Turnhalle unter dem oberen Pausenplatz gebaut und dazu gleich noch eine Tiefgarage, damit Sportler und Zuschauer an den Wochenenden auch Platz finden für ihre Fahrzeuge. Manche Stunde verbrachten die Kinder staunend am Rande der Baustelle und kommentierten die laufenden Arbeiten. Anschliessend wurde die alte Turnhalle, welche unter unserer ersten Schulpräsidentin renoviert wurde, nur noch als Theater-und Versammlungs-Saal verwendet, denn nun war ja genügend Platz zum Turnen da, aber zu wenig für Aufführungen im grösseren Stil, seit der Engelsaal nicht mehr zur Verfügung stand.
Wechsel in den anderen und eine Weile noch einzigen weiteren Gemeindeteil ausser dem Berg
Als ich zusammen mit meinem Masterstudium Heilpädagogik in die Au wechselte, ging die Bauerei fast nahtlos weiter. Beim Kindergarten waren Container nötig, weil Gruppenräume fehlten. Dasselbe geschah mit dem ältesten Schulhaus in diesem Teil, doch gleich noch mit zusätzlich angebauten Zimmern. Schliesslich kamen Container mit drei Zimmern und drei Gruppenräumen neben das neuere Schulhaus hier in den Froschteich zu stehen. Unten wurde angebaut, damit mehr Zimmer zur Verfügung standen, ein Kindergarten wurde vollständig neu gebaut und schliesslich kam auch das obere Schulhaus zum Zug. Es war ja damals in den Achtzigern schon so angelegt worden, dass man aufstocken können sollte, wenn das nötig würde. Es waren dann im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts doch noch ein paar weitere Massnahmen nötig.


Aber es kam der Tag des Umzugs ins Containerdorf, welches auf der Turnwiese aufgebaut war. Ein Jahr lang genossen wir die herrliche Aussicht über den Zürichsee und in die Berge, bevor es wieder zurück ins ausgebaute und aufgestockte Schulhaus ging. Zweimal misten, packen und auspacken mit dem möglichst richtigen Einräumen der nötigen Materialien. Von der zweiten Handarbeit und zwei Mittelstufenklasse waren wir nun so getrennt, dass wir durchs Oberstufen-Schulhaus wandern mussten, um zueinander zu gelangen für Sitzungen, Essen, Schul- und Therapie-Stunden. Sogar eine Projektwoche war möglich! Passend zum Thema Um- und Ausbau hiess das Projekt "Up-Cycling". So sagt man dem nun, was wir damals in den 70ern einfach unter "Basteln mit Abfallmaterialien" verstanden.
Dieser Ortsteil ist so unglaublich gewachsen, nur schon in den paar Jahren, welche ich dort arbeitete. Anfangs fuhr ich mit dem Fahrrad noch grünen Wiesen entlang zum Schulhaus. Nun zwischen Häuserschluchten. Doch auch im Gerberacherquartier lief es so. Die Speerstrasse, welche lange Zeit weit oberhalb des Dorfes etwas überflüssig durch die Landschaft führte, ist nun zugebaut. Man braucht Platz zum Wohnen.
Meine letzte Schulzeit
Nie hätte sich irgendjemand gedacht, dass es eine Zeit geben könnte, wie die, welche unter dem Titel "Das Corona-Zeitalter" näher beschrieben ist. Diese Zeit spielt hier eine Rolle, weil es meine letzte Zeit als Lehrerin betrifft.
Mit Plexiglasscheiben, Mundschutz, Desinfektion nach jedem Schüler*innen-Wechsel, Abstand und kaputten Händen vor lauter Waschen und Desinfizieren beende ich meine Schulzeit.
Nur noch Unterstützung durch Arbeit mit Gruppen, die zu mir kommen, keine Mitarbeit mehr in den Klassen. Kein Abschlussprojekt für die IF-Sechstklässler*innen, kein Jahresabschluss, kein Sommerhöck, aber eine traumhaft schöne Verabschiedung durch die Kolleginnen und die beiden Schulleitenden.
Arbeitsaufträge via PC. Tutorials mit Face Time. Mit den Kindern mailen, statt direkt sprechen.
Keine Pause im Lehrerzimmer mehr für mich, wegen des nicht einhaltbaren Abstandes, kein gemeinsames Mittagessen mehr. Und natürlich wird das Schulhaus nicht eingeweiht, wegen der noch immer geltenden Gruppengrössen-Beschränkung und Hygiene-Massnahmen.
Am Montag, dem 15. Juni würde mein Geburtstags- und Pensionierungs-Apéro stattfinden. Abgesagt, beziehungsweise gar nicht angesagt. Stattdessen habe ich für jede*n Mitarbeitende*n einen persönlichen Brief geschrieben, der an ein Sektfläschchen angehängt und am 15. Juni am Morgen früh in die Zimmer verteilt wird. Geht auch so. Ins Sekretariat gehe ich am Mittwoch, 17. Juni. Am 14. selbst ist ja eigentlich mein AHV-Geburtstag. Doch in der Schule arbeitet man bis Ende Schuljahr, bedeutet bis zum 31. Juli.
Am 9. Juli wird mein letzter Schultag sein, den ich sang- und klanglos beenden werde, meine Schlüssel, Telefon und PC abgeben werde.
Das wars dann. Befürchtete ich. Tschüss bis zu einem Kurz-Vikariat.
Doch das Kollegium hat anders beschlossen
Sie haben mir einen unvergesslichen, wunderschönen, traumhaften Abschluss-Abend bereitet. Lieder wurden auf mich zugeschnitten und eingeübt, jeder und jede hat einen Beitrag zu einem Erinnerungsbuch gestaltet, welcher die Beziehung zu mir darstellt. Was da für kreative Begabungen und Anstrengungen zutage treten! Dazu die Performance der Lieder. Aber auch die Rede, welche zusätzlich anhand von Gegenständen, welche man im Wasser fischen kann, die Wertschätzung des Kollegiums zum Ausdruck bringen gegenüber meiner Person, meiner Rolle als heilpädagogische Mitarbeiterin in den Klassen, mir als Mitglied des Teams und fast als Schulfreundin.
Daneben stellten sie ein unglaubliches Buffet auf die Beine, ermöglichten mir, den Abstand zu wahren und gestalteten zusätzlich sozusagen einen Strandkorb.
An der Nordseeküste im fernen Land,
Mir vom Steini in Wädi und d'Marlies am Strand.
(nach Klaus und Klaus)
Marlies, Marlies, euisi Retterin(g)
(nach z'Basel am mym Rhy)
Danke, danke, danke, kann ich nur rufen. Auch dafür, was ihr zusätzlich mit den Klassen erarbeitet und gestaltet habt!
Es ist ein Abschied, der mich auf Wolken gehen lässt und die Seele berührt. Danke, liebes gesamtes Team mit allen, welche im Schulhaus arbeiten! Es war so schön, aufregend, spannend, abwechslungsreich, fröhlich, traurig, interessant, intensiv, inspirierend und einfach schön, schön, schön mit euch!