Wie sagt man denn nun der Tätigkeit der Lehrerin?
Meine Ausbildung zur Lehrerin habe ich gemacht, um Schule zu geben. Zu Ankers Zeiten hätte ich Schule gehalten und heute unterrichte ich.Das Zentrale aber ist und war für mich, die Kinder zu ermuntern, neugierig zu machen, ihnen Lust am Lernen zu vermitteln und ihnen zu zeigen, dass es ab und zu ein wenig Biss und Durchhaltevermögen erfordert, bevor sie Spass an der Sache erleben können.
Während meiner eigenen Schulzeit hatte ich Lehrerinnen und Lehrer, die mein Leben geprägt haben. Das hat sich während der Schule vor allem so gezeigt, dass ich sie mochte oder eben nicht.
Respektieren, mögen, ablehnen? Hauptsache prägen!
Primarschule
Ich mochte meine erste Unterstufen-Lehrerin in Laufen, damals Kanton Bern. Ich bewunderte meine zweite, die Drittklasslehrerin und Unterstufenlehrerin meiner einen Schwester. Meine Lehrerin in der 4. und 5. Klasse mochte ich wieder und meinen ersten Sechstklasslehrer respektierte ich sehr. Bei meinem Besuch der alten Klasse überraschte es mich sehr, dass er noch immer denselben Trainingsanzug fürs Turnen trug. Den zweiten Sechstklasslehrer, schon am neuen Schulort, fand ich nett, aber seine Sammet- und Manchesterkleidung, die er noch Jahre nachher trug, fand ich merkwürdig.Im Gymi dann wurde ich kritischer und beurteilte die Lehrer und Lehrerinnen differenzierter, aber immer noch in Bezug auf die Schule. Ich sah sie nicht anders. Sie waren für mich keine Privatpersonen, aber gerade dadurch beeindruckend.
Wir durften in der ersten und zweiten Klasse ganz moderne Sachen erfahren. Zum Beispiel fand die Lehrerin, ein Fräulein Schumacher, Federhalter 1964 altmodisch, weil sie klecksten. So durften wir einen Patronenfüllfederhalter mit in die Schule bringen und damit schreiben. Wir sind mit ihr ins Kino gegangen, um Nils Holgersson zu schauen. Sie brachte uns das Stricken bei, baute mit uns und unseren Eltern einen riesigen Markt mit kleinen Ständen im Schulzimmer auf, ging mit uns spazieren und hatte Neffen, welche das Stricken liebten. Dass sie mir sagte, ich müsse meine Finken nicht immer mit nach Hause nehmen über den Mittag, störte mich ungemein, denn das war privat, in diesem Bereich hatte nur Mami etwas zu sagen. Lesen und rechnen konnte ich schon vor der Schule, da war es einfach ein Vergnügen, mitzuhören. Dass man auch mitmachen müsste, hat man mir vergessen zu sagen.
Beim Eintritt in die dritte Klasse im Kanton Zürich zeigte sich, dass ich das Einmaleins noch nicht kannte, weil wir das im Kanton Bern nicht in der zweiten Klasse schon gelernt hatten. Doch ich hatte Heimweh nach Fräulein Schumacher. So besuchten wir sie später noch einmal und sie erinnerte sich meiner wirklich.
Am neuen Schulort war auch weiteres anders: Wir hatten keinen Schwimmunterricht mehr. Wir sollten Ball- und Rennspiele im Turnen machen, die ich noch nie gesehen oder gespielt hatte, weshalb ich auch lange nicht verstand, dass man schnell sein müsste für die Mannschaft. Erst, als die Lehrerin rief, ich solle nicht wie ein Tüpfi laufen, begriff ich und begann Mannschaftsspiele bis zum Volley- und Basketball im Gymi zu hassen. Als diese Lehrerin heiratete, bekamen wir Frau Karrer. Die war kein Fräulein, denn sie war verheiratet mit einem Herr Karrer, der sehr sportlich war und tolle Skirennen im Skilager organisierte, wovon ich in der vierten und fünften Klasse je eines gewann. Aber Frau Karrer verfügte über noch mehr Trümpfe: Sie klebte Säume, wenn sie eingerissen waren mit einem Pflaster fest oder bostitchte sie! Sie liess mich in der vierten Klasse nach der Schule die Erstklässler-Hefte korrigieren, weil ich unbedingt helfen wollte, und sie mit einem Schmetterling-Kleber belohnen. War das nicht toll!
Vierte und fünfte Klasse
Was durfte ich doch schöne Blätter gestalten in der Heimatkunde. Besonders eines davon hat sich mir so sehr eingeprägt, dass ich nach über 50 Jahren auf einer Velofahrt die Bestätigung des damals Gelernten genauso in der Töss entdeckte. Wie der Fluss schneller aussen an der Kurve herum fliessen muss, aber dafür viel im Innenradius ablagert. Weisser Kies als Kiesbank wie ein Halb-Mond. Unglaublich, nicht! Sie wählte bereits Unterrichtsformen, die man bestimmt damals noch gar nicht kannte oder benennen konnte. Wir hatten in verschiedenen Gruppen unterschiedliche Beobachtungs-Aufträge für die Naturkunde. Die Erkenntnisse trug die Lehrerin auf Schnapsmatrizen für alle zusammen. Meine Gruppe durfte während der Schule auf Wiesen ausschwärmen und prüfen, was Löwenzahn mit seinen Wurzeln macht, wie es ihm geht, wenn sie gekürzt, halbiert oder ausgetrocknet werden. Natürlich nutzten wir diese Freiheit auch für Dummheiten, aber kompensierten das an den Nachmittagen wieder, wenn wir in der Freizeit diese Beobachtungen vergnügt und mit Protokollen wiederholten. Und was wären Römer, Alemannen und Ritter für mich ohne Fräulein Grob!
Was man mir vergass mitzuteilen, war, dass man in der Schule nicht nur können muss, sondern auch lernen. Ich hatte keine Ahnung davon. Verbesserungen schrieb ich nicht zum Lernen, sondern zur Freude meiner Lehrerin. Diktate konnte ich sowieso. Und der Rest war offenbar nicht für mich, sonst hätte ich ihn gekonnt.
Als Fräulein Grob einen Bänderriss hatte und im Spital war, bekamen wir in Herrn Bretscher den Twisthosen-Lehrer. Diese Hosen waren 1966 der letzte Schrei, aber doch bestimmt nicht für einen Lehrer! Zudem hatte er einen unglaublich langen Stecken, mit dem er bis in die hinterste Reihe die Jungs antickte, welche seiner Meinung nach Unfug trieben.
Sechste Klasse auch noch dort
Der Herr Rahn hatte all die Jahre stets die Tür aufgehalten für die beim Glockenklang eintretenden Kinder. Er hatte uns auch gesehen, als wir in der Fünften Zuckerbirli vom Boden auflasen und assen. Wir dachten, alles auf dem Boden wäre für alle da.
Er traute es mir nicht zu, ins Gymi zu gehen, weshalb er die Noten des Herbstzeugnisses eher abrundete. Dennoch besuchte ich ihn wieder einmal von Wädenswil aus, weil doch auch meine Freundin Vroni in dieser Klasse war. Das mitgebrachte Geschenk, eine Styroporkugel mit Pailletten und langen Nadeln besteckt, beeindruckte ihn nicht sonderlich, mich aber, dass er noch immer den gleichen Trainer fürs Turnen trug (vgl. oben).
Es war ja nur ein halbes Jahr gewesen.
Sechste Klasse am Zürichsee
Wer hätte gedacht, dass mein Lehrer später gleichzeitig mit mir in derselben Gemeinde unterrichten würde und sogar noch die Zeit käme, dass eine meiner Schülerinnen ebenfalls hier Schule gäbe? Ein Drei-Generationen-Team. Doch das dauert zu diesem Zeitpunkt noch.
Exkursionen und Naturkunde-Arbeiten prägten seinen Unterricht neben zeichnen und singen. Wir waren eine Klasse, die gerne zur Schule ging. Dieser Lehrer passte sofort das Zwischenzeugnis an, als er erfuhr, dass ich die Gymiprüfung machen würde. Doch leider war fürs Mädchen-Gymi nur das Herbstzeugnis massgebend, während für die Jungs eben das Zwischenzeugnis zählte. Am Ende gingen in meinem Jahrgang mit viereinhalb sechsten Klassen aus dem Zentrum zwei Mädchen und vier Jungs direkt von der sechsten Klasse aus ins sogenannte Langzeit-Gymi mit Latein. Aus der Dependance kam noch Christa dazu. Heimweh hatte ich nach dem Schulstart in Zürich nicht nach dieser Schule, denn meine Nachbarn und Klassenkameraden waren ja nach wie vor vorhanden. Wenn ich in der Migros beim Anstehen später den Herrn Pfenninger antraf, glaubte ich, er kenne mich bestimmt nicht mehr. Doch er fiel mir auf wegen seiner oben erwähnten Sammet- und Manchester-Kleidung, die er scheinbar Jahre nacheinander trug.
Gymizeit
Man sagte mir, ich solle ins Gymi, was mir gefallen hat. Auf die dritte Klasse hin kam die Wahl der dritten Fremdsprache. Die Eltern meinten, nimm das Beste, mit Durchhalte- und Lernwille schaffst du das. Also ging's neben Latein und Französisch ab dem dritten Gymi mit Altgriechisch weiter, was mich zur Matura Typ A führte mit freiem Zugang zu allen Fächern ausser zur Theologie, da müsste man noch Hebräisch lernen. Frau Züfle, kurz nach Gymi-Ende verstorben, notiert unter eine Französisch-Hausaufgabe "En Guete", worauf ich Jahre stolz war.
Hingegen passte mir unser Deutschlehrer, der Herr Nünlist, nicht richtig, denn er nahm meine Mutter am Telefon ein wenig hoch wegen ihres noch immer hörbaren Österreicher-Akzentes. Zudem hatte er erwartet, dass ein Idol keine Westernhelden sein könnten. Auch traute er mir Friedrich Schillers "Lied von der Glocke" nicht zu. Denn Susi Schmidt hätte ja den Herrn Ribeck von Ribeck gelernt, was schon sehr schwierig sein. Er wusste nicht, dass wir in der Klasse schon lange unsere Spiele trieben mit den klassischen Gedichten. Menschlich wurde er für mich, als er eine Foto seines neugeborenen Sohnes aufhängte, der genau dieselbe eine höher gezogene Augenbraue trug, wie er. Später arbeitete seine Frau als Logopädin im selben Schulhaus, wo meine Schwester die Hauswartung inne hatte.
Fräulein Frei im Latein beeindruckte durch ihre violett gefärbte Frisur, ähnlich gestaltet, wie die der Frauen aus "Raumschiff Orion". Ihre Handtasche trug sie stets am angewinkelten Unterarm, wenn sie ins Zimmer schwebte mit der Begrüssung "Salvete puellae, sedete!" und wir pflichtgemäss aufstanden, um zu antworten "Salve magistra!", und uns gleich wieder setzten. Ein bisschen Latein haben wir glaub gelernt aus der Ars Latina.
Fräulein Keller brachte uns einige Jahre Geschichte nahe, bevor sie das Griechisch für die sechs Schülerinnen meines Jahrgangs übernahm. Sie erkannte ich später im Zug von Zürich nach Paris an ihrer Mimik, und vor allem an ihrer einen dickeren Schuhsohle. Sie aber schaffte es, in aller Strenge, meine Freude an Sprache aufrecht und mein Interesse für Geschichte wach zu halten. Während des Unterrichts stützte sie sich stets - um ihr Bein zu entlasten? - mit beiden, leicht verkehrt eingeknickten, Armen auf dem Pult auf.
Unser Deutschlehrer ab dem 3. Gymi war ein Philosoph und Vorbild. Er nahm jeden Gedanken, der im Deutsch oder der Philosophie geäussert wurde, absolut ernst und ging ausführlichst darauf ein. Herr Züfle wurde zu meinem Lieblingslehrer, nicht zuletzt wegen seiner Frau, Astrid Züfle. Sie hatte an den Krawallen 1968 in Paris teilgenommen. Herr Züfle brachte uns die zeitgenössische Literatur näher, wie Böll, Dürrenmatt, Frisch, ... und lehrte uns, unseren eigenen kritischen Gedanken zu vertrauen. Doch auch Satire war ihm nicht fremd. Hans Dieter Hüsch besuchten wir in seinen Anfängen.
Unser späterer Geschichtslehrer, der in den Prüfungen mein "Also" monierte, hatte früher selbst in einem meiner späteren Schulhäuser eine Sonderklasse geführt. Blonder Bürstenschnitt und hellblaue Schiele-Augen. Er brachte uns mit Chroniken den Zweiten Weltkrieg so vor Augen, dass wir das bestimmt nie wieder wiederholt sehen wollten. Doch auch den historischen Atlas, den Putzger, liess er uns immer wieder verwenden, sodass die Geschichte kartiert gesehen wurde. Wie hiess er nochmals? Peter Baumann, Büümeli.
Nach Fräulein Frei unterrichtete uns Herr Thoma, Thömeli, Latein, dessen Wunsch, bis ans Ende seines Lebens in unserer Klasse arbeiten zu dürfen buchstäblich erfüllt wurde. Er starb am Morgen nach Pfingsten 1973 im Latein-Unterricht. Deswegen waren wir alle nicht nur zur Beerdigung, sondern auch zum Leichenmahl eingeladen. Als Claudine und ich uns während des Unterrichts immer wieder an der Hand hielten, kommentierte er: "O selig, o selig, ein Kind noch zu sein", aus Zar und Zimmermann, mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein weiterer seiner Lieblingssprüche war: Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes. (Aus Vergils Aeneis: Was immer es ist, ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke machen.) Doch sein Lieblingsgeschenk, wenn man ihm etwas zuliebe tat, war von Ulrich Bräker, Der arme Mann im Tockenburg.
Fräulein Spitzbarth war seine Nachfolgerin. Diese brachte meine Mathe-Lehrerin dazu, unter eine Prüfung zu schreiben: " Man kann halt nicht überall so gut sein, wie im Latein".
Fräulein Obrist heiratete kurz nach unserer Matura, während wir dachten, dass sie dafür viel zu alt sei. Davor aber begleitete sie uns ins Lötschental ins Biologie-Lager mit dem Thema "Spiralen in der Natur", das auch mathematisch ausgeschlachtet wurde oder nach Deutschland an den Neckar zu Hölderlin, nach Amsterdam zu den Malern und Klinker-Künstlern sowie in den Herbstferien nach Denens zum Weinbauern. Weil sie unsere Klassenlehrerin war, kümmerte sie sich genauso um unser Sozialleben, unsere Familie und Freunde, führte einen Restaurant-Abend ein, um Wichtiges zu besprechen, falls nötig. Aus dieser Weinlese-Zeit traf ich später das Mädchen wieder, welches Elsbeth Frank mitgenommen hatte, obwohl sie nicht aus unserer Klasse war. Sie wurde meine Arbeitskollegin am Zürichsee. Wenn man denkt, dass ich Mathe und Physik für absolut nebensächlich anschaute, aber meine Klassen immer dachten, Mathematik sei mein Lieblingsfach!
Herr Hutter liess uns uns gegenseitig abzeichnen und alte Meister kopieren. Wir liebten diese Stunden. Der Musiklehrer war bei einigen Mädchen äusserst beliebt, Herr Zumsteg, mit seiner Vorliebe für Jazz nicht Tschäss, sondern Jazz gesprochen.
Herr Aubry, langjähriger Prorektor, war mit seiner Zigarre im Mundwinkel sogar im Skilager präsent, doch auch er starb bald nach unserer Matura, genau so, wie Frau Züfle. Candide ou l'optimisme, war prägend, doch auch französische Theater-Stücke von Molière, wie Le Misanthrope und Stücke zur Französischen Revolution lasen wir über Jahre hinweg.
Hauptleiter in den Skilagern war lange Zeit der Rektor, welcher in meiner Gemeinde wohnte und dessen Kinder zu uns ins Gerbi in die Schule gingen. Ein Lateinlehrer vom Freudenberg schickte seine Kinder später auch zu mir in die Klasse, während seine Frau in der Nachbargemeinde an der Oberstufe arbeitete. Er fand, die Tochter könne sich mit den Bildern zum Einmaleins, wie Hände für die Fünferreihe oder Käferbeine für die Sechserreihe, nicht anfreunden.
Der Physik-Lehrer zeigte mit einem Brett auf Rollen für den bequemeren Kistentransport, was das Gesetz "Actio gleich Re-Actio" bedeutet, indem er uns draufstehen und uns von der Wand abstossen liess.
Der eine Biologie-Lehrer aus dem Hirzel, dessen Tochter später Hundecoiffeuse für Sascha war, kam sehr menschlich herüber, während der andere redete von "Lehrerpersonal und Schülermaterial" und "Alles auf der Welt hat seine Vor- und Nachteile", scheinbar, weil er Dual hiess.
Diese alle meine Lehrer prägten mich und mein Schule-Geben, meinen Unterricht, denn von überall nahm ich ein Schnittchen mit, das ich gerne weitergab und das neben aller Didaktik und Pädagogik Meilen- und Stolpersteine für die Schullaufbahn bildete.
Ein zeitweiliger Geographie-Lehrer, Herr Helbling war der Onkel eines späteren Schülers und Schwager einer Aufgabenhilfe im Glärnisch. Er beeindruckte, weil er die Orte bereist hatte, von welchen er uns erzählte und Bilder mitbrachte. Genauso, wie derjenige, welcher aussah, wie Ramses der Zweite, dessen Lieblingsgebiete Spitzbergen und der Stromboli Grossvater, Vater und Sohn war und bei dem wir lernten, Kartenzeichnungen sinnvoll zu färben und Kreise für Nummern der Legenden dazu mit einem Lochkarton zu zeichnen.
Als ich im Frühling 1969 ins Gymi kam, war das Jahresthema gerade "Homo Ludens", das fächerübergreifend in allen Klassen und bei allen Lehrern einen Teil des Lehrstoffes bildete, bevor es im Folgejahr von einem neuen Thema abgelöst wurde. Die weiteren Themen allerdings sind mir nicht mehr präsent. Doch dies war eine starke Grundlage, um in meinem Schulleben ein Thema in möglichst allen Fächern zu bearbeiten, wozu auch Fräulein Obrist mit ihren Lager-Themen dazu beigetragen hat. Diese Einstellung veranlasste in den Neunzigerjahren einen meiner Schüler dazu, zu bemerken, dass seine Cousins in der Parallelklasse im Zentralschulhaus viel mehr Themen pro Jahr durchnähmen, wir sie aber viel tiefer bearbeiteten. Er wurde später Dozent an der Fachhochschule Rapperswil-Jona.
Und wie ists mit mir als Lehrerin?
Dem an, was ich erlebe, wenn ich ehemalige Schülerinnen und Schüler oder deren Eltern wieder antreffe, haben einige eine gute Zeit bei mir gehabt. Auf jeden Fall hatte ich mit ihnen eine gute Zeit. So viele Klassen der Unter- und Mittelstufe, des Kindergartens und der Kleinklasse durfte ich in unterschiedlichen Funktionen begleiten.
Bis vor kurzem (also bis vor etwa zehn Jahren 😅) unterrichteten wir als Klassenlehrerinnen und - Lehrer alle Fächer (Deutsch, Mathematik, Mensch und Umwelt mit Geographie, Geschichte und Naturkunde, Schrift, Singen, Turnen, Zeichnen, Werken. Später auch Französisch oder Englisch, wobei genau diese Fächer an der Primarschule die Fächeraufteilung einläuteten) an der Klasse ausser der traditionellen Handarbeit mit Nähen, Häkeln, Stricken, Sticken. Dies ergab auch die meisten Stunden in der Klasse mit der Klassenlehrerin. Diesen Ausdruck verwendeten wir damals gar nicht. Es gab einfach die Lehrerin, den Lehrer und die Handarbeitslehrerin. Recht ausserhalb unseres Unterrichts arbeitete auch die Schwimmlehrerin, aber da wir selber für eine Halbklasse die Lektion vorbereiteten und durchführten, spielten diese Frauen lange Zeit eine Nebenrolle.
So betrachteten wir uns als die Bezugsperson in der Schule. Wir versuchten damals alle Kinder gleich zu behandeln. Erst mit der Zeit drang es zu uns durch, dass wir die Kinder ungleich behandeln müssen, um ihnen die gleichen Startchancen zu geben.
Obwohl, intuitiv lief es dann doch so: Wir überlegten uns, was ein Kind braucht, damit es lernen kann. So kamen wir wohl dennoch auf unterschiedliche Wege, die wir mit dem Kind einschlugen. Meist aber ohne, dass wir uns mit den Eltern kurzschlossen. Kontakte waren oft nur nötig, wenn etwas schief lief. ELB, Eltern-Lehrer-Behörden-Zusammenarbeit (im Post Ämter und Nebenarbeiten besprochen) machte aber auf vermehrt nötige Eltern-Arbeit aufmerksam, denn die Gesellschaft begann sich zu ändern.
Genau so, wie wir immer mehr von den Schulkindern wollten, dass sie etwas verstehen und nicht nur automatisieren, wollte man auch, dass die Bevölkerung bei allem mitsprach. Noch nicht lange war das Frauenstimmrecht in der Schweiz eingeführt. "Summerhill" brachte andere Vorstellungen in die Erziehung und damit auch in die Schule, weil wir doch mit den Eltern ihr Kind individuell erziehen sollten, nämlich so, wie die einzelnen Eltern es sich vorstellten. Ich aber als Lehrerin hatte und habe auch Vorstellungen davon, wie es in der Schule und Gesellschaft aussehen sollte. Diese Vorstellungen decken sich nicht immer. Teils war dies auch eine Altersfrage. Die Eltern waren lange Zeit älter, als ich, hatten Lebenserfahrung, der ich eine Ausbildung und grosse Motivation zu entgegnen hatte.









